Eine Folge der Teilung der habsburgischen Erblande nach dem Tod Ferdinands I. im Jahr 1564 war die Etablierung dreier unabhängig voneinander geführter Höfe in Innsbruck, Graz und Wien. Durch die dynastischen Verbindungen bestand ein reger Austausch zwischen den Höfen, was sich auch auf die Musikpflege auswirkte. Graz als südlichste Residenzstadt spielte sowohl politisch und gesellschaftlich als auch musikalisch eine Sonderrolle. Hier fand die damals aufblühende italienische Musikkultur den frühesten Eingang, und als der Grazer Erzherzog Ferdinand II. 1619 Kaiser wurde, verlegte er seine bereits bestehende Hofkapelle nach Wien, womit die fast 200 Jahre währende Vorherrschaft der Italianita in der habsburgischen Hauptstadt begann.
Während die Wiener und Innsbrucker Hofmusik und ihr soziokultureller Kontext bereits detailliert erforscht sind und sowohl im fachspezifischen als auch im interdisziplinären Diskurs regelmäßig thematisiert werden, fehlt eine dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechende Aufarbeitung der Quellenlage zur Musik am Grazer Hof von 1564 bis 1619 fast vollständig. Die vorhandene Literatur ist zwar nach wie vor relevant und bildet eine wichtige Grundlage, weist aber deutliche Desiderate auf und die interdisziplinäre Verknüpfung fehlt gänzlich.
Das vom FWF geförderte und am Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis der KUG angesiedelte Projekt Performance Practice at the Graz Court around 1600 greift dieses Desiderat auf und führt die wissenschaftlichen Ergebnisse durch ein Reenactment in Kooperation mit dem IEM der KUG und der Schola Cantorum Basiliensis (CH) weiter. Von diesem Reenactment verspricht man sich nicht nur neue Erkenntnisse durch technische Hilfsmittel, sondern auch einen großen Schritt im Bereich der Wissenschaftsvermittlung. Am Institut für Elektronische Musik (IEM) der KUG entsteht ein akustisches und visuelles Modell des Grazer Doms in seiner Ausstattung um 1600, in das die Aufnahmen eingearbeitet werden. Das Ergebnis dieser Arbeit kann schließlich mit einer VR-Brille erlebt werden.

Studierte Posaune in Graz (Hochschule für Musik), Wien (Universität für Musik), London (Royal Academy of Music) und Basel (Schola Cantorum Basiliensis). Parallel zu Tätigkeiten als freiberuflicher Musiker absolvierte er ein Musikwissenschaftsstudium an der Musikuniversität Wien. Neben Renaissancemusik im Allgemeinen stellen die Aufführungspraxis in Wien 1740–1830, Gesangspädagogik im 18./19. Jahrhundert, Interpretationsforschung/Alte Tonaufnahmen sowie Organologie Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Beschäftigung dar. Momentan ist er Assistenzprofessor für historische Musikwissenschaft an der Kunstuniversität Graz (KUG) und unterrichtet historische Posaune an der Musikuniversität Wien (MDW). Bernhard Rainer leitet seit Oktober 2023 das Forschungsprojekt Aufführungspraxis am Grazer Hof um 1600.

Juliane Oberegger studiert[e] Musikwissenschaft an der Kunstuniversität und der Karl-Franzens-Universität Graz, sowie Barockvioline an der Kunstuniversität Graz und der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Ihre wissenschaftlichen Tätigkeiten, deren Früchte sie regelmäßig auf Tagungen und in Publikationen präsentiert, qualifizieren sie als Stipendiatin der Studienstiftung PRO SCIENTIA. Aktuell arbeitet sie als Universitätsassistentin am Institut für Alte Musik der KUG an ihrer Dissertation. 2022 gründete sie mit Summa Sonorum ein Festival für Alte Musik, dessen Hauptziel es ist, neue Türen zu öffnen und das Publikum hereinzubitten. Obwohl hauptsächlich Saitenspielerin, ist sie leidenschaftlich gerne die Pfeife, die vor der Orgel sitzt.

Eli Frauscher arbeitet als Toningenieurin und Sound Designerin in Graz. Parallel zum Elektrotechnik-Toningenieur-Studium begann sie im Filmbereich zu arbeiten. In ihrer 2020 am IEM (KUG) abgeschlossenen Masterarbeit beschäftigte sie sich mit der Plausibilität von 3D-Audio-Aufnahmetechniken. So eröffnete sie sich den Weg in das Film Tonstudio Klangkulisse und zu Virtual-Reality-Projekten am Schauspielhaus Graz. Neben einer Lehrtätigkeit an der FH St.Pölten forscht sie am IEM an audio-visuellen Virtualisierungen von Räumen und Schallquellen.
05.06.2025, 12 Uhr
Werkstattkonzert im Grazer Dom
Eintritt frei, um Voranmeldung unter susanne.sackl-sharif@kug.ac.at wird bis Mittwoch gebeten.
Im Zuge des Forschungsprojektes Performance Practice around 1600 wurde im Grazer Dom ein Gerüst errichtet, das an der Stelle des Lettners, der bis 1616 das Presbyterium vom Langschiff trennte, steht. Das Publikum des Werkstattkonzerts hat während des Konzerts die einmalige Gelegenheit, die akustischen Besonderheiten des Lettners zu erfahren, und wird anschließend per Fragebogen zu seiner Hörerfahrung befragt.
06.-09.07.2024
Medieval and Renaissance Music Conference (MedRen)
in Granada
Double Paper Presentation am 06.07.2024, Chair: Alex Fisher
Das Abstract in voller Länge ist hier verfügbar.
16.05.2024, 10:00-13:00
Workshop
Mitarbeiter*innen des Projektteams präsentieren ihre Arbeit innerhalb des Projekts und Gäste sprechen zu verwandten Themen. Das genaue Programm folgt.
Vera-Schwarz-Saal
Um Voranmeldung unter j.oberegger@kug.ac.at wird gebeten.
06.05.-12.05.2024
Projektwoche / ERMT
Studierende und Lehrende des Instituts treffen sich im Rahmen eines Erasmus+ -Projekts in Graz und arbeiten eine Woche lang zur Grazer Hofkapelle zur Zeit von Erzherzog Karl II. und Maria Anna von Bayern.
06.05.2024 Eröffnungskonzert
20:00 Uhr, Leechkirche Graz
11.05.2024 Abschlusskonzert
19:00 Uhr Mausoleum Graz
ca. 20:00 Uhr Florentinersaal der KUG
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